Egon Friedell – Kulturgeschichte der Neuzeit

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Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit
Die Krisis der Europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg

Kommentierte Radiolesung des ungekürzten Textes – zu hören jeweils am zweiten und letzten Donnerstag jedes Monats 12:00-13:00 auf ORANGE 94.0 Freies Radio Wien, oder jederzeit hier aus der Konserve. Auch erhältlich als PODCAST Feed.

Egon Friedell war enorm vielseitiger, ebenso scharfsinniger wie scharfzüngiger Querdenker, der sich unter anderem als Publizist, Bühnenautor, Schauspieler, Kabarettist und Kulturphilosoph betätigte. Seine ‘Kulturgeschichte der Neuzeit’ erschien zwischen 1927 und 1931 in drei Bänden. Obwohl, oder vielmehr weil er darin ein nicht nur ausserordentlich weit gefasstes, sondern auch ganz bewusst höchst persönliches Geschichtsbild entwickelt, nach eigenen Worten stets bemüht, ‘eine möglichst unwissenschaftliche Darstellung zu geben’, hat das Werk bis heute viel von seiner Frische, Faszination und Relevanz bewahrt.

Viertes Buch, drittes Kapitel: Das Luftgeschäft (Teil 14/14) – Gast in der Sendung vom Donnerstag, 28. März 2013: Joachim Losehand

Nikolsburg – Der ungarische Ausgleich – Der lokalisierte Weltkrieg – Die spanische Bombe – à Berlin!

Lizenz: (by-nc-sa) 3.0 AT – Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung bei Namensnennung gestattet, kommerzielle Nutzung ausgenommen, Weitergabe unter gleichen Bedingungen; Herbert Gnauer, Wien

Bildnachweis: (by-nc-sa) 3.0 AT – Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung bei Namensnennung gestattet, kommerzielle Nutzung ausgenommen, Weitergabe unter gleichen Bedingungen; Herbert Gnauer, Wien

Ad Acta – Kunst, Recht & Internet XXXIV

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Der strengen Reihe vierunddreißigster Streich mit Sendungsgast Joachim Losehand

Joachim Losehand ist beim Verein für Internet-Benutzer Österreichs VIBE!AT engagiert, der u. a. der kreativen Nutzung, die mehr und mehr anstelle passiver Konsumation tritt, zu rechtlicher Grundlage und Anerkennung verhelfen möchte. In diesem Zusammenhang steht auch die von ihm betreute Initiative zur Entwicklung eines Urheberrechtes für das 21. Jahrhunderts ur21, die sich Förderung des kritischen Diskurses auf breiter Basis zum Ziel gesetzt hat.

(CC) 2013 BY-NC-SA V3.0 AT – Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung bei Namensnennung gestattet, kommerzielle Nutzung ausgenommen, Weitergabe unter gleichen Bedingungen; Herbert Gnauer, Wien

Die Aufzeichnung kann hier über das Cultural Broadcasting Archive (CBA) gehört werden.

Bildnachweis: (by-nc-sa) 3.0 AT – Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung bei Namensnennung gestattet, kommerzielle Nutzung ausgenommen, Weitergabe unter gleichen Bedingungen; Herbert Gnauer, Wien

“Ja” zum “Netzschilling” statt “Nein” zur “Handy- und Computer-Steuer”

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Fünf Antworten auf fünf Fragen zur “Breitbandabgabe”

In einer Aussendung haben Gerhard Ruiss und die Initiative “Kunst hat Recht” die fünf “wichtigsten ungeklärten Fragen” in den Raum gestellt. Ich erläutere in einer Antwort die Position des Vereins für Internet-Benutzer Österreichs (VIBE!AT).

1) Breitbandabgabe – alle Werke kostenlos für ein paar Euro im Monat?

Nein, nicht alle. Die rechtlichen und vertraglich abgesteckten Rahmenbedingungen lassen eine wie auch immer geartete und vergütete “Generalklausel” für jedwede Art der Nutzung von Werken, die urheberrechtlich Schutz genießen, nicht zu. Besonders hervorzuheben ist der so genannte “Drei-Stufen-Test” der Berner Übereinkunft (Art 9 Abs 2 RBÜ 1969/71): Ausnahmen vom ausschließlichen Recht der Urheber, Vervielfältigung ihrer Werke zu erlauben, können nur 1) “in gewissen Sonderfällen” vom Gesetzgeber gestattet werden unter der Voraussetzung, dass eine solche Vervielfältigung 2) nicht die normale Auswertung des Werkes beeinträchtigt und 3) die berechtigten Interessen des Urhebers nicht unzumutbar verletzt werden.

Genau wie bei der freien Werknutzung der Privatkopie muss also vom Gesetzgeber rechts- und innovationssicher für Urheber, Verwerter und private Nutzer sichergestellt werden, dass die normale Werk-Verwertung nicht beeinträchtigt wird. Das heißt: Breitband-Abgabe kann und wird kein Ersatz für Geschäftsmodelle im Internet sein. Der private Upload bzw. die nicht-gewerbsmäßige Verfügungsstellung (“filesharing”) von Filmen, E-Books oder Musiktiteln auf nicht von Rechteinhabern autorisierten Portalen wird auch mit der Einführung einer Breitband-Abgabe illegal sein, insofern sie die “normale Auswertung” von Werken beeinträchtigen.

Hier steckt natürlich der Teufel im Detail: Was heißt und wie lange dauert eine “normale Auswertung” – und gilt sie für alle Werkarten in gleicher Weise? Deutsche Gerichte haben bei der Bemessung des zivirechtlichen Schadenersatzanspruchs in Filesharing-Prozessen eine durchaus differenzierte Sichtweise artikuliert und sind von unterschiedlichen Verwertungs-Zyklen ausgegangen. Hier sind Rechteinhaber, Gesetzgeber und Gesellschaft aufgerufen, mit Augenmaß die jeweiligen berechtigten Interessen abzuwägen. Eine Klarstellung darf nicht erst in künftigen Gerichtsverfahren erfolgen, hier ist weitere Präzisierung nötig.

Jede Art der kommerziellen, d.h. mit Gewinnerzielungsabsicht verbundenen Nutzung wird grundsätzlich nicht von einer “Breitband-Abgabe” berührt werden.

Anders hingegen muss unserer Ansicht nach jede Art der transformativen Werknutzung beurteilt werden. Wo Werke als Grundlage neuer Werke genutzt werden, werden Nutzer zu Urhebern. Da eines der wesentlichen Ziele des Urheberrechts ist, nicht nur bestehende Kunst und Kultur zu schützen, sondern neues Kunst- und Kulturschaffen zu fördern, dürfen digital orientierte Kunstgattungen nicht in ihrer Entfaltung und Verbreitung behindert oder gar verhindert werden Da der Begriff des Urhebers alleine am Werkschaffen orientiert ist und nicht an qualitativen Kriterien, gilt jedes Werk, auf das die “kleine Münze” zutrifft, als urheberrechtlich schützenswertes Werk – gleich ob dessen Schöpfer ein Genie oder ein Narr ist.

Eine “Breitband-Abgabe” soll Urhebern ohne gewerbsmäßige bzw. kommerzielle Absichten ermöglichen, ihre Werke, die mit und auf Grundlage fremder Werke geschaffen wurden (“Remix”, “Mash Up” usw.) und die nicht in die normale Verwertung dieser verwendeten fremden Werke eingreifen, digital im Internet zu veröffentlichen. Eine spätere, bei der Veröffentlichung nicht beabsichtigte kommerzielle Verwertung ist durch die “Breitband-Abgabe” jedoch nicht erfasst.

Auch im Internet gilt, dass die berechtigten Interessen von Urhebern zu schützen und zu achten sind. Das auf den digitalen Raum zugeschnittene Lizenzsystem der “creative commons” (cc) bietet Urhebern ein abgestuftes Rechtemanagement, das unterschiedliche Nutzungsformen (by, nc, nd) verbindlich lizenziert. Urheber sollen weiterhin auch im Internet und mit einer “Breitband-Abgabe” die Möglichkeit haben, ihre Werke freizugeben oder nicht freizugeben.

2) Wie können Kunstschaffende über ihre Werke noch frei bestimmen?

Wie in Antwort zu (1) ausgeführt, darf und wird eine “Breitband-Abgabe” nicht in die normale Auswertung von Werken eingreifen. Andererseits ist es – gerade in der Internet-Ökonomie – ein Fehlschluss, dass, je restriktiver der urheberrechtliche Schutz eines Werkes, desto lukrativer ist dessen kommerzielle Verwertung. Gerade weil das Urheberrecht ein Monopolrecht ist, gelten hier die “traditionellen und grundlegenden marktwirtschaftliche Prinzipien, wie die Regulierung der Nachfrage über den Preis” nur bedingt (siehe auch die Buchpreisbindung). Zudem: Mit dem Aussterben der Compact Disc und dem Aufstieg von online-Musikverwertung ändern sich als Antwort auf geänderte Nutzungsgewohnheiten auch die Verwertungsmodelle. Konsumenten müssen heute nicht mehr “bundles” mit 10 oder mehr Titeln auf einer CD erwerben, sondern kaufen nur genau die Titel, die sie interessieren. Angesichts von Marktentwicklungen stimmt es nur bedingt, dass Urheber die Möglichkeit haben, (alleine) “über die Verwertung ihrer Werke selbst bestimmen zu können”.

3) Kann die Pauschalvergütung den Einnahmenverlust ausgleichen?

Nein. Eine “Breitband-Abgabe” ist nicht dazu gedacht, Einkommensverluste aus der normalen Auswertung auszugleichen, da die damit verbundene gesetzliche Lizenz die normale Auswertung nicht beeinträchtigen darf. Die Darstellung von Verlusten für Rechteinhaber aus der “Privatkopie-Schranke” ist seit ihrer Einführung Gegenstand eines kontroversen Diskurses. Die Besonderheiten der Internet-Ökonomie (“Aufmerksamkeit” und “virale Verbreitung von Inhalten”), gestatten nicht mehr den als zwingend notwendig dargestellten Schluss, dass jede Verbreitung immer die Auswertung negativ beeinflusst. Vielmehr sind empirisch in Einzelfällen sowohl keine Auswirkungen auf die online- und offline-Verwertung nachweisbar, als auch positive Auswirkungen, d.h. dass die Auswertung durch die virale Verbreitung gefördert wird.

4) Welche Auswirkungen hat eine Breitbandabgabe auf Anbieter professioneller Online-Plattformen?

Legale und besonders illegale kostenlose Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Werken und ihre Auswirkung auf legale Verwertungsmodelle und innovative Geschäftsideen werden seit Jahren kontrovers und bis heute nicht abschließend diskutiert.

Streaming-Portale, 1-click-hoster und Bit-Torrent-Netzwerke sind nicht alleine darum beliebt und werden (in illegaler Weise) benutzt, weil sie Werke kostenlos anbieten: Sie bieten vor allem einen bequemen, barrierefreien und unkomplizierten Zugang – sie bieten “convenience”. Es ist richtig, dass Anbieter professioneller Online-Plattformen mit vielen ungeliebten, von Rechteverwertern auferlegten Einschränkungen zu kämpfen haben.

5) Wie würde trotz Breitbandabgabe die kulturelle Vielfalt gefördert werden?

Aus Sicht des Urheberrechts sind “ein Buch, an dem ein Autor viele Jahre gearbeitet hat, [...] genauso viel wert wie ein kurzer Blog”, das Urheberrecht kennt keine qualitativen oder quantitativen Kriterien für ein Werk. Die Argumentation, den Wert eines Werkes an seinem Preis festzumachen ist genauso so falsch wie gefährlich: Neu veröffentlichte pornographische Filmwerke kosten im ersten Zyklus der Auswertung zwischen 29,90 und 49,90 Euro (rund 100 Minuten Spieldauer), die DVD des Spielfilms “Cloud Atlas” (163 Minuten) wird 14,99 Euro (DVD) bzw. 17,99 Euro (Bue-Ray) kosten. “Das weiße Band” (2010) des Oscar-Preisträgers Michael Haneke wird aktuell um 4,99 Euro angeboten.

Kulturelle Vielfalt wird nicht trotz einer mit einer “Breitband-Abgabe” verbundenen gesetzlichen Lizenz zur privaten Nutzung gefördert, sondern kann selbst ein zukunftsorientiertes Förderinstrument für – besonders: digitale – Kunst und Kultur werden. Denn das Internet als (interaktive) Kommunikations- und Verbreitungsplattform sowie die vielfältigen Möglichkeiten einfach handzuhabender Bild-, Audio- und Video-Bearbeitungs-Software regt in einem bislang ungekannten Ausmaß Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter und Ausbildung dazu an, sich in je eigener Art und Weise auszudrücken und künstlerisch zu betätigen und ihr Werk in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Neue Gattungen und “Biotope” sind in, mit und aus der digitalen Kultur entstanden, sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Zwei Effekte sind also mit der “Breitbandabgabe” beabsichtigt: Zum einen, Konsumenten und ihr normales, nicht in die Auswertung eingreifendes Nutzungsinteresse im Bagatellbereich zu entkriminalisieren; zum anderen, mit der freieren Werknutzungsmöglichkeit besonders Nachwuchskünstlern die Möglichkeit geben, durch ihr Schaffen die kulturelle Vielfalt zu befördern.

Dieses gesellschaftliche Ziel lässt sich aus Sicht des Vereins für Internet-Benutzer Österreichs (VIBE!AT) erreichen, ohne die berechtigten Interessen von Urhebern hinsichtlich ihrer bereits existierenden Werke unzumutbar zu beeinträchtigen. Die “Breitband-Abgabe” entspricht nicht dem aktuell gängigen Bestreben witschaftlicher Interessen von Rechteinhabern, durch Ausweitung von Schutzumfang und Schutzfristen eine künstliche Verknappung zu schaffen, jedoch ist diese Entwicklung vor allem für gesellschaftliche und künstlerische Belange auch kommender Generationen von Vorteil.

VIBE!AT befürwortet eine nutzungsunabhängige Pauschalvergütung und lehnt – ganz in Übereinstimmung mit der Initiative “Kunst hat Recht” und der “Plattform für ein modernes Urheberrecht” – jedes Modell ab, das auf Messung und Analyse von Nutzungsverhalten im Internet abzielt. Denn Nutzer wollen nicht in ihrem Verhalten überwacht werden.

Der Verein für Internet-Benutzer Österreichs (VIBE!AT) lädt zusammen mit Creative Commons Austria alle Interessierten aus Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft ein, an einem zukunftsorientierten und tragfähigen Lizenz-Modell mitzuarbeiten:

VIBE!AT hat dazu die “AG Netzschilling” gegründet, deren konstituierende Sitzung erstmals im April 2013 stattfindet.

Anmeldungen und nähere Informationen bei:
VIBE!AT, ”Urheberrecht für das 21. Jahrhundert” (ur21)
E-Mail: joachim [punkt] losehand [at] vibe [punkt] at

Bildnachweis: 50 Schilling-Münze von 1996 Bimetall (gemeinfrei)
Textnachweis: Joachim Losehand cc by 3.0 AT

Alter Wein in neuen Schläuchen? (ur21)

erstitv: Schon gewusst? Episode I: Münzkopierer (Standbild)

“Alter Wein in neuen Schläuchen?”- Von der Leerkassettenvergütung zur Speichermedienabgabe – oder die Zukunft angemessener Vergütung freier Werknutzungen

am Donnerstag, den 14. März 2013, 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr (Einlaß: 18:00)
im Raum D, quartier21, QDK, Electric Avenue,
MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, A-1070 Wien

Kaum ein Thema beschäftigt und polarisiert seit über einem Jahr in Österreich die Urheberrechtsdebatte: die “Modernisierung” der Leerkassettenvergütung zur Festplattenabgabe bzw. Speichermedienabgabe. Mit der Einführung der Compact Disc und der DVD ist der Verkauf von Musikkassetten und VHS-Kassetten ebenso eingebrochen wie der Handel mit “Leerkassetten”, der Verkauf von CD-Rohlingen konnte diese Verluste bei der Privatkopie-Abgabe jedoch auffangen. Seit der technische Fortschritt und der (mobile) online-Markt für digitale Medien inzwischen auch den Verkauf von CDs und DVDs nachhaltig beeinflußt, sinken die Erlöse aufgrund der Veränderung des Mediennutzungsverhaltens der Konsumenten aus der Leerkassettenvergütung seit 2005 kontinuierlich.

Je größer der Anteil der Erlöse aus der Urheberrechtsabgabe am Einkommen der Künstler ist, desto härter kann sie der Medienwandel treffen. Die Modernisierung der bisherigen “Leerkassettenvergütung” zur “Speichermedienabgabe” ist für die Künstler darum ein logischer und notwendiger Schritt. Kritiker wenden ein, dass die Erlöse aus der Abgabe direkt mit der Möglichkeit privater Vervielfältigungshandlungen (“freie Werknutzungen”) verknüpft ist, die in zunehmendem Maße im online-Geschäft mit digitalen Medien den Endkonsumenten durch Lizenzvereinbarungen und technische Schutzmaßnahmen eingeschränkt wird. Oder sogar überflüssig ist, weil Endkunden in der Regel Nutzungsrechte für mehrere Kopien erwerben, die dann keine “Privatkopie” mehr sind.

Zudem scheinen die veröffentlichten Tarife allein im Vergleich mit dem Nachbarland Deutschland kaum nachvollziehbar, sie sind zum Teil um das zwei- bis dreifache höher als jenseits der Grenzen. Kein Wunder, wenn der österreichische Handel dies im europäischen Binnenmarkt als einen Wettbewerbsnachteil empfindet, besonders, wenn viele Konsumenten ankündigen, zukünftig ihre Festplatten und Computer im Ausland zu kaufen.

Angesichts des rasanten technischen Fortschritts und der weitgehend immer “unspezifischeren” Nutzung von Geräten stellt sich zunehmend die Frage, welche Zukunft Hardware-abhängige Pauschalabgaben überhaupt haben – und welche “freien Werknutzungen” beim zunehmend restriktiver werdenden Urheberrecht überhaupt noch abgegolten werden müssen.

Wir schauen zurück auf ein Jahr Diskussion “Festplattenabgabe in Österreich” und werfen einen Blick in die Zukunft pauschaler Vergütungsmodelle für digitale Medien.

Dieser Abend wird veranstaltet von VIBE!AT zusammen mit der Arbeiterkammer Wien, der Initiative für Netzfreiheit sowie der Wirtschaftskammer Österreich (Bundessparte Handel).

Begrüßung und Einführung: Dr. Joachim Losehand (vibe!at)

Impulsvortrag:
RA Dr. Till Kreutzer (i. e. Büro für informationsrechtliche Expertise)


Hier die Audio-Aufzeichnung des Impulsvortrags von Dr. Till Kreutzer
CC BY-NC 3.0 AT


Unsere Gäste auf dem Podium sind:
Mag. René Tritscher (WKÖ, Geschäftsführer Bundessparte Handel)
Markus Stoff (Initiative für Netzfreiheit)
RA Mag. Oliver Ertl (GdG-KMSfB)
Silvia Angelo (AK Wien, Leiterin Wirtschaftspolitik)

Moderation: Mag. Martina Madner (freie Journalistin)


Hier die Audio-Aufzeichnung der Podiumsdiskussion aus dem Raum D
CC BY-NC 3.0 AT von Radio Netwatcher (Danke Manfred Krejcik)


 

Bildnachweis: “Schon gewusst? Episode I: Münzkopierer” (Standbild), mit freundlicher Genehmigung von erstitv (YouTube)

Internet-Abgabe: Ja, gerne – aber wozu?

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“Da ist noch deutlich Luft nach oben”, meine ich im Gastkommentar für die futurezone zu der von den Grünen vorgeschlagenen Internet-Abgabe, mit der der Tausch von Inhalten im Netz vergütet werden soll.

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein fremder Griff ins eigene Geldbörserl Abwehrreaktionen hervorruft. Gleich, ob es sich um die Erhöhung bestehender oder gar um neue Abgaben und Steuern handelt, allein das Ansinnen löst bei Bürgern und Konsumenten einen verständlichen Beissreflex aus. Das liegt nicht nur daran, dass sich unser aller Einkommen nicht in gleichem Umfang und gleicher Regelmäßigkeit erhöht. Vielmehr stehen sehr genauen Vorstellungen über die Höhe einer Abgabe nur sehr ungenaue Vorstellungen über den Inhalt und vor allem die Vorteile. die mit einer einzuführenden Abgabe verbunden wären, gegenüber.

Im Fall der sogenannten „Festplattenabgabe“ haben die Befürworter ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie hoch die lukrierten Einnahmen ausfallen sollen (rund 16 Millionen Euro jährlich), ziemlich ungenaue Vorstellungen davon, welche Rechte die Nutzer mit dieser Pauschalabgabe eigentlich erwerben – und warum Konsumenten mehr Geld für effektiv weniger und auch nicht durchsetzbare Rechte bezahlen sollen.

Das Gegenmodell zur geräteabhängigen „Festplattenabgabe“ ist die nutzungsabhängige „Internet-Abgabe” auch in anderer Form bisweilen „Kultur-Flatrate“ genannt. Es stimmt, dass „Pauschalabgaben“ nie gerecht sind, darum heißen sie ja „pauschal“, jedoch halte ich eine „Urheberrechtsabgabe“ auf Internetanschlüsse, also auf den Zugang zu – urheberrechtlich geschützter – Unterhalten, Information und Wissen heute für plausibler, auch angesichts des technischen Fortschritts und des sich verändernden Nutzungsverhaltens.

Während die Grünen jedoch eine konkrete Zahl nennen können, wie hoch diese Internet-Abgabe sein soll (vier Euro), sind sie der Ausgestaltung der Gegenleistung sehr unkonkret. „Sämtliche Downloads – im nicht kommerziellen Rahmen“ sollen legitimiert werden. Was bedeutet, dass diese grüne Internet-Abgabe nichts weniger legitimiert, als das, was bislang schon legal ist. Auch wenn es dazu unterschiedliche Rechtsmeinungen gibt: In Österreich ist aktuell jeder Download legal die Frage der Rechtmäßigkeit der Quelle wird im Urheberrechtsgesetz nicht angeschnitten. Und sollte mit einer Novelle der Download aus illegaler Quelle eindeutig ebenfalls für illegal erklärt werden – wer wird diese Bestimmung zivilrechtlich durchsetzen können, ohne massiv in den Datenverkehr Einblick zu nehmen und damit massiv den Datenschutz auszuhöhlen?

Ein wirklicher, zukunftsorientierter Ansatz wäre stattdessen, eine Pauschale auf Internet-Anschlüsse mit einer Ausweitung der freien Werknutzung nach dem Vorbild des „Fair-Use“-Prinzips zu verbinden. Damit wäre beispielsweise die private, nicht-kommerzielle Nutzung von Inhalten wie Bildern, Musik oder Videos in Sozialen Netzwerken oder auf privaten Blogs abgegolten, Nutzungshandlungen, die im Web zum normalen Alltag gehören. Das Web hat unseren Umgang mit Medien unwiederbringlich verändert, der traditionell restriktive Ansatz eines „starken“ Urheberrechts wird diesen Wandel nicht umkehren oder zum Stillstand bringen können. Hier sind zukunftsorientierte Regelungsmodelle gefragt, die die Akzeptanz des Geistigen Eigentums und des Urheberrechts im Alltag nicht völlig erodieren lassen.

Der Vorschlag der Grünen zur Internet-Abgabe lässt auch völlig offen, wer Empfänger der Erlöse ist: Sind es „nur“ die in Verwertungsgesellschaften organisierten Rechteinhaber? Wenn wir an die Initiative „Kunst hat Recht“ denken, müssen wir konzedieren, dass kaum einer der Proponenten wirklich nachhaltig online sichtbar ist oder Werke digital verfügbar sind und die legalen, kostenpflichtigen digitalen Angebote der Film- und Musikindustrie zum Streaming und Download wohl kaum Teil dieser Internet-Abgabe sein werden.

Eine zukunftsfähige Internet-Abgabe berücksichtigt nachhaltig die „neuen“ Urheber, also alle Menschen, die Blogs betreiben, Videos und Musik auf YouTube oder Vimeo anbieten, Fotos auf Flickr veröffentlichen und damit Informationen, Wissen und Unterhaltendes mit der Welt teilen. Gerade junge Künstler nutzen das web als Präsentations- und Verbreitungsplattform für ihre Fähigkeiten und Werke, oft im Mix mit „traditionellen“ Kanälen. Warum sollten gerade die „digital creatives“ nicht von der „digital culture“ auch materiell profitieren?

Hier braucht es wesentlich konkretere Ansätze als die vage Überlegung, die neue Pauschale mit einer kommenden Haushaltsabgabe zu verknüpfen. Eine neue Abgabe braucht auch ein neues Regelwerk. Wer verteilt wie und an wen die Erlöse? Dazu müssen auch die Ermittlung der Höhe der Abgabe, der Verteilungsschlüssel, sowie die Verwendung der Gelder und die gesamte Gebarung der verteilenden Institution transparent und offen sein. Ob dieser Herausforderung die bisherigen Verwertungsgesellschaften gewachsen sind, muss heute ernsthaft bezweifelt werden. Der Gestaltungswillen der Grünen ist zu loben, aber gut gemeint ist immer noch nicht gut gemacht. Da ist noch deutlich Luft nach oben.

Erstveröffentlichung in der futurezone.at am 11. März 2013.

Bildnachweis: Fr3d.org cc by-nc-sa 2.0
Textnachweis: Joachim Losehand cc by 3.0 AT

WikiTV – Wissen verstehen – Open Data

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BR alpha (ORF) vom Montag, 4. März 2013 um 19:30 Uhr:

Experten unterhalten sich in einem Studiogespräch über Initiativen zu „Open
Data“. Regierungen, Unternehmen und Institutionen stellen zunehmend
strukturierte Daten und Metadaten unter dem Begriff „Open Data“ frei zur
Verfügung. Warum sie dies tun, was mit den Daten getan werden kann und über die
Zukunft von E-Government sprechen die Gäste: Meral Akin-Hecke (Digitalks), Peter
Parycek (Open Knowledge Foundation) und Joachim Losehand (Verein für
Internet-Benutzer Österreichs) unter der Moderation von Roland Alton
(Medienexperte, Dozent InterMedia, Fachhochschule Vorarlberg).

Die Aufzeichnung finden Sie hier.